Kultur zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen
Joëlle Bertossa ist Stadträtin Departement für Kultur und digitaler Transformation der Stadt Genf.
Das IMD World Competitiveness Center beschäftigt sich seit 35 Jahren mit der Frage, wie die Städte den Herausforderungen Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand begegnen können. Vor kurzem hat es die Ergebnisse des Smart City Index 2026 zu den einflussreichen urbanen Zentren veröffentlicht: Von weltweit nahezu 150 befragten Städten finden sich Zürich, Genf und Lausanne unter den Top 10. Die Auszeichnung würdigt Städte mit leistungsfähigen Infrastrukturen, starkem Institutionenvertrauen und erprobter digitaler Agilität. Entscheidend war zudem die Fähigkeit der öffentlichen Grundversorgung, die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Diese Grundlage wiederum begünstigt ein nachhaltiges gesellschaftliches und soziales Klima, das fraglos zur Lebensqualität und zum Boom der Städte beiträgt.
Genfs internationale Bedeutung wird durch Besonderheiten der schweizerischen Soft Power untermauert. Wir sind nach wie vor ein Global-Governance-Zentrum, und zwar sowohl für die Finanz- und Handelsmärkte als auch für internationale Organisationen und NGO. Die städtischen Behörden sind hierfür der strategische Hebel: Mit einer erprobten Bodenpolitik, gezielten öffentlichen Massnahmen und starken städteübergreifenden Kontakten trägt die Stadt Genf zur Widerstandskraft und zur Attraktivität dieses neuralgischen Zentrums bei. Dafür nutzt sie verschiedene Instrumente, wie etwa ein entsprechendes Kultur- und Sportangebot, ein strukturbildendes Netz öffentlicher Räume und Parkanlagen oder die Schaffung entsprechender Lebensbedingungen für alle Bevölkerungsgruppen.
Dabei muss die Stadtpolitik den gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen umfassend Rechnung tragen. Nicht umsonst wurden die Kreativ-, Kreislauf-, Sozial- und Solidarwirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten institutionalisiert.
So schafft die Verknüpfung von Stadtplanung und Kulturpolitik lebendige Quartiere, denn die Neubelebung und Gestaltung der Stadt ist – genau wie das künstlerische Schaffen – ein demokratischer Akt. Dank dieser Verbindung lässt sich zudem besser vorausahnen, was für die Erneuerung unserer Einrichtungen erforderlich sein wird. Deren Kohärenz beruht zunehmend auf der Abstimmung zwischen den Institutionen und hochwertigen öffentlich- privaten Partnerschaften. Wahrscheinlich besteht die Herausforderung für die Städte bei der Schaffung eines Werte generierenden Kreislaufs darin, für ein Gleichgewicht zwischen globaler Dynamik und lokalem Wohlergehen zu sorgen. Unter uns gesagt: Man will sich Städte nicht mehr einfach nur ansehen – man will sie erleben!
